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WAZ Mülheim vom 24.11.2016

Mülheimer Verein hilft weltweit durch regelmäßige Spenden

750.000 Euro hat die „Aktion Regelmäßige Hilfe“ gesammelt und verteilt. Basisgesundheitsarbeit, Altenbetreuung und Flüchtlingshilfe gehören dazu.

Die Mitglieder der Aktion Regelmäßig: (v.l.) Wolfgang Kaminski, Cornelia Waage, Thomas Hötte, Ehrhard Klamet, Erhard Wiera, Andreas Waage, Erna Wiera, Fiona Wiera, Birgit Kröger, Harald Dörnhaus, Katrin Bach, Reinhard Bach, Anna Brückner

Was mehrere Saarner Freunde beim Wandern nach Mintard am Rosenmontag an Ideen ausgebrütet haben, hat sich längst zu verlässlichen Projektförderungen rund um den Globus etabliert. Mehr als 750.000 Euro haben Mitglieder der „Aktion Regelmäßige Hilfe“ (AR) bis heute an Spenden zusammengetragen und verteilt.

„Wie bei AR vereinbart, ist jeder Cent auch im letzten Jahr wieder in unsere Projekte geflossen“, stellten die Kassenprüfer Martin Dörnhaus und Peter Brückner beim Spendertreffen im Jugendheim St. Mariä Himmelfahrt klar. Wo die rund 25.000 Euro im vergangenen Jahr Dankbarkeit und Freude ausgelöst haben, berichteten Kassenchef Reinhard Bach und einige Mitglieder, die nach wie vor persönlichen Kontakt zu Frauen und Männern halten, die die Spenden von AR vor Ort nach Absprache einsetzten.

Die Gesundheitsbasisarbeit in einer Gemeinde auf den Philippinen unterstützt der Verein seit seiner Gründung vor 35 Jahren. Dort sind Schwestern in Dörfern unterwegs, um Kranke medizinisch zu versorgen und um aufzuklären. Die Schwestern verteilen auch Kondome. Ein ähnliches Projekt fördert AR in Uganda. Vor Ort waren bisher die Missionsärztlichen Schwestern aktiv, die jetzt aber langsam die Basisarbeit an Einheimische übergeben, die sie ausgebildet haben. „Wir werden mit den neuen Leuten nun Kontakt halten und ihre Projektarbeit unterstützen“, sagt Harald Dörnhaus.

Weil der Geländewagen für Besuche in kaum erreichbare Dörfer repariert werden muss, bitten die Schwestern um eine Extra-Spende. AR hat das Geld überwiesen.

Aus dem Altenzentrum in Segundo Montes (El Salvador) schickte Kontaktmann Rudi Reitinger ein Dankschreiben: „Wir alle sind sehr froh, dass ihr auch in den nächsten Jahren die Gehälter unserer Köchinnen unterstützen werdet. Den berühmten Stein, der vom Herzen plumpste, habt ihr sicherlich bis Mülheim gehört.“ Dabei bekommen die neun Frauen nicht einmal den Mindestlohn von 250 US-Dollar monatlich. Die Köchinnen erhalten nur 150 Dollar, die Hilfsköchinnen 75 Dollar. Sie kochen täglich für rund 300 Senioren.

Generationswechsel im Vorstand

Weil das Innenministerium das Altenzentrum nun rechtlich anerkannt hat, sind alle Beschäftigten versicherungspflichtig. „Wir sind damit nun aber finanziell total überfordert und können nur hoffen, dass wir da von oben keinen auf den Deckel bekommen“, lautet die Übersetzung. Gleichzeitig „hat uns die Flüchtlingshilfe die Löhne von drei Bibliothekarinnen sowie von Adela (Koordinatorin) auf einen Schlag gekürzt. Wir verzweifeln alle und bemühen uns, die Ausleihe für die Menschen aufrecht zu erhalten. Wir danken für Eure sehr herzlich regelmäßige Hilfe“, endet der Brief aus Mittelamerika.

Auch vor der Haustür hilft AR: Für die Integration der Geflüchteten, die im Saarner Dorf leben, erhielt das Deutsche Rote Kreuz eine Überweisung. Frank Langer vom DRK erläuterte, wie das Leben in der Ruhraue läuft, welche Einschränkungen und Probleme die Menschen dort haben, mit der europäischen Lebensform klarzukommen. Das Lernen der Deutschen Sprache sei die größte Hürde, die Kinder leichter schafften.

Ein behutsamer Generationenwechsel zeigt sich jetzt im AR-Vorstand. Die Gründungsmitglieder übergeben nach mehr als 30 Jahren Arbeit, Einsatz und Kontakte an ihre Kinder. „AR muss jung und regelmäßig verlässlich bleiben“, sagte Mitgründer Erhard Wiera.


Frank-Rainer Hesselmann





NRZ vom 13.10.2011

Am Anfang war der Wasserbüffel

Eine private Hilfsorganisation sammelt seit 30 Jahren Geld für Projekte in aller Welt - bisher 631.092 Euro

Die Mitglieder der Aktion Regelmäßig heute: (v.l.) Harald Dörnhaus, Birgit Kröger, Reinhard Bach, Cornelia Waage, Erhard Wiera, Fiona Wiera, Claus-Peter Krakow, Wolfgang Kaminski, Erna Wiera


Das Carabao ist eine der Haustierrassen des Wasserbüffels. Ein tolles Tier. 700 Kilo schwer, gutmütig, genügsam. Wer auf den Philippinen einen Wasserbüffel besitzt, hat es geschafft - er bearbeitet die Felder, transportiert in der Regenzeit Lasten, wenn kein Lkw mehr fährt. Doch das Tier kostet mehr, als ein philippinischer Bauer in einem Leben sparen kann. Wasserbüffel müssen von Großgrundbesitzern ausgeliehen werden, die Zinsen zahlt man mit der Ernte. Da grenzte es an ein Wunder für die Kleinbauern in der armen Landregion Isabela auf der Insel Luzon, als die örtliche Missionsschwester Eva eines Tages vor knapp 30 Jahren mit 2000 Mark in der Tasche ankam; für Büffel, die man gleich paarweise anschaffte.

Das Geld hatten zehn junge Leute im etwa 10 000 Kilometer entfernten Mülheim an der Ruhr gesammelt. „Wir mit unserem Wohlstand und unserer Sicherheit wollten einfach ein bisschen was davon abgeben“, sagt Erhard Wiera (65). Die Büffel waren das erste von vielen Projekten, für die die kleine, ganz und gar private Organisation „Aktion Regelmäßig“, genannt AR, seit drei Jahrzehnten Geld auftreibt. So kamen bis heute 631.092 Euro zusammen.

Es ist Anfang der achtziger Jahre. Facebook gibt’s noch nicht, auch Computer spielen eine eher untergeordnete Rolle. Statt vor Bildschirmen zu sitzen und sich virtuell auszutauschen, hockt man zusammen und redet, auch über die Ungerechtigkeit in der Welt. Es sind bewegte Zeiten, frauenbewegt, friedensbewegt, ökobewegt. Helfen will man, vielleicht etwas verändern, ganz konkret. Aber wie?

Die zehn Freunde, unter ihnen Erhard Wiera und seine Frau Erna, kennen sich vom Studium, von der Jugendarbeit, dem Job. Das von Krieg, Hunger und dem mörderischen Regime der Roten Khmer gequälte Kambodscha ist ein großes Thema: „Ein Volk starb“, sagt Erna Wiera, „da musste man doch was tun!“.

Man bastelt Sandwich-Plakate, hängt sie sich um, leiht sich von der Caritas Sammelbüchsen und zieht für die Kambodschaner durch die Restaurants und Kneipen, durch Bürger- und Arbeiterviertel. Die meisten Leute spenden. Nur ganz selten sagt mal einer: „Mir gibt ja auch keiner was.“ 1500 Mark bekommen die Freunde zusammen und sind stolz.

So sahen sie aus - die Mitglieder von Aktion Regelmäßig, als vor 30 Jahren alles begann. Heute noch mit dabei sind zum Beispiel das Ehepaar Wiera (links vorne), Harald Dörnhaus (4.v.l), Claus-Peter Krakow (5.v.l.), Reinhard Bach (4.v.r.), Birgit Kröger (3.v.r.), oder Wolfgang Kaminski (r.) Wäre doch gelacht, wenn man da nicht etwas Regelmäßiges auf die Beine stellen könnte, sagt sich der Kreis: „Zumal wir gedacht haben, als Freunde sind wir für so etwas auch belastbar!“ so Wiera. Am 5. Oktober 1981 gründen sie die AR, um gleich zu Beginn Eltern und Anverwandte zu schocken: Nein, man will diesmal keine Weihnachtsgeschenke, man will das Geld für die Dritte Welt. Muss das sein?

Es musste. Heute ist der harte Kern der AR auf zwölf Leute angewachsen, die meisten von damals sind noch mit dabei, aber auch junge Leute wie Fiona Wiera (28), die in ihrem Freundeskreis um frische Unterstützung wirbt. Gemeinsam betreuen sie einen Stamm von 110 festen Spendern aus Oberhausen, Essen und Mülheim, die monatlich eine bestimmte Summe einzahlen, und es spiele keine Rolle, ob es „3, 30 oder 300 Euro“ sind.

Hühnerfarm und Wasserfilter

Wenn „viele kleine Leute viele kleine Dinge tun“, dann kommen 25.000 Euro an Spenden pro Jahr zusammen, werden in 28 Ländern unzählige Projekte unterstützt und angeschoben: eine Hühnerfarm oder die Zollkosten für Kondome im Kongo, der Druck und die Verteilung von Kräuterbüchern in Peru, eine Heizung und Computer für ein Behindertenheim in Kirgisien, Reifen und monatlicher Sprit für den Jeep der Gemeindeschwestern in Uganda, Schreinerwerkstatt, Wasserfilter, Nähstube oder Bienenhonig-Projekt in Brasilien und das Gehalt von sechs Köchinnen für eine Altenspeisung in El Salvador. Traum eines jeden Baumarktfans: Für ein Projekt in Zimbabwe kauften und verschifften die AR-Mitglieder Werkzeug höchstpersönlich. Und nur einmal gab es „Murks“: In Nicaragua brach eine finanzierte Werkstatt zusammen: „Das Geld war futsch“, so Wiera.

„Der Verwaltungsaufwand“, sagt Kassenwart Reinhard Bach stolz, „geht bei uns gegen Null“. Briefpapier, Kopierkosten, Porto teilt die Gruppe unter sich auf. Die Gemeinnützigkeit steht ebenso wie der nunmehr 29 Jahre alte Eintrag ins Vereinsregister oder ein Netz an „Gewährsleuten“ in den Ländern, die unterstützt werden - Entwicklungshelfer und vor allem die resoluten Vertreterinnen der „Missionsärztlichen Schwestern“ vor Ort.

Einige von ihnen werden auch dabei sein, wenn die AR am kommenden Wochenende ihr 30-jähriges Jubiläum feiert, mit einem Hoch auf den Wasserbüffel - und auf 631.092 Euro Spenden.

Cornelia Färber




NRZ Mülheim vom 23.10.2006

Weltweit im Dienst für den Menschen

HUMANITÄRE HILFE. Seit 25 Jahren unterstützt die "Aktion Regelmäßig" Projekte in 24 Ländern. Organisiert wird alles von Ehrenamtlern.

Auch in Äthiopien hat die 'Aktion Regelmäßig' vielen Menschen geholfenEs begann mit "Carabao", einem philippinischen Wasserbüffel, der einer Bauern-Kooperative in Kambodscha zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit verhelfen sollte. Seitdem hat die "Aktion Regelmäßig" zahlreiche Projekte auf der ganzen Welt unterstützt.
So fördert die Organisation unter anderem zur Zeit Gesundheitsprojekte auf den Philippinen, in Kenia, Uganda, Äthiopien und Peru. In Zimbabwe wird eine Schreinerei unterstützt, in Äthiopien ein Krankenhaus. In Kolumbien finanziert die Aktion Projekte mit Straßenkindern. In Guatemala kümmert man sich um eine Grundschule, in El Salvador um die Gemeinden von Flüchtlingsrückkehrern. Man kommt ins Staunen, wenn Erna Wiera alle Projekte aufzählt, an denen die "Aktion Regelmäßig" beteiligt ist. 500.000 Euro sind in den letzten 25 Jahren eingesammelt worden. Eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass die Aktion ausschließlich von Ehrenamtlichen getragen wird.

Erna Wiera ist von Anfang an mit dabei. 1981 ging es vor allem darum, die Kambodscha-Flüchtlingshilfe zu unterstützen. "Das Thema war damals in der Öffentlichkeit stark präsent. Das hat uns natürlich geholfen", erinnert sie sich zurück. "Wir sind durch die Kneipen der Stadt gezogen und haben Geld gesammelt. Das war so erfolgreich, dass wir weitergemacht haben", beschreibt Wiera die ersten Schritte der Aktion in die Öffentlichkeit. Die Unterstützer der ersten Stunde bilden heute noch den Kern der Aktiven. Aber viele sind mit der Zeit hinzugekommen. "Alle haben in ihrem Bekanntenkreis für uns geworben. Besonders toll finde ich, dass uns auch viele Menschen unterstützen, die nur über ein kleines Einkommen verfügen." Es klingt ein wenig Stolz an, wenn Erna Wiera von der Vereinsarbeit berichtet: "Jeder macht das, was er am besten kann. Ich schreibe zum Beispiel Briefe und halte so den Kontakt zu unseren Projekten in der ganzen Welt. Viele persönliche Kontakte, ja Freundschaften sind so entstanden."

Regelmäßigkeit zählt

Die "Aktion Regelmäßig" unterscheidet sich darin von karitativen Groß-Organisationen, dass die Spenden ohne Abzüge direkt den Bedürftigen zugeleitet werden. Verwaltungskosten fallen keine an, da die Mitarbeiter ja alle ehrenamtlich tätig sind. "Wir sind flexibler als die anderen und können besser auf die Wünsche vor Ort eingehen", meint Wiera. "Wir wollen, wie ja schon unser Name sagt, den Menschen zeigen, dass man auch in kleinen Schritten die Welt verbessern kann. Es geht eben nicht nur um die Höhe der Spende, sondern um die Bereitschaft und die Regelmäßigkeit."

Sebastian Sasse



Saarner Dorfglocke vom 19.03.2002

Regelmäßig Spenden und damit helfen

Saarner Verein unterstützt seit 20 Jahren 3.-Weltprojekte

Mit dem Carabao, einem philippinischen Wasserbüffel, fing alles an. Inzwischen sind mehr als 20 Jahre vergangen, mehr als 300.000 Euro an Spenden direkt an Bedürftige rund um den Globus verteilt. Ein Saarner Verein und mehr als 100 Spenderinnen und Spender stehen hinter der "AR - Aktion Regelmäßig".

Als einige der Vereinsgründer Anfang der achtziger Jahre durch einige Kneipen zogen, um für kambodschanische Flüchtlinge bei den Gästen ein paar Märker vom Biergeld abzuzweigen, war der Erfolg verblüffend gut. Warum soll es also bei dieser einmaligen Aktion bleiben?, fragten sich damals die Sammler.

Die Weltnachrichten beinhalteten schon damals täglich die Not von Menschen in verschiedenen Erdteilen, Aber die kleine Kneipen-Sammel-Gruppe wollte das Geld nicht den großen Spendenorganisationen überlassen. Das Geld der Spender soll ohne Verluste direkt bei den Bedürftigen ankommen, war oberstes Gebot. Anfallende Verwaltungskosten und andere Auslagen übernehmen die Vereinsmitglieder. Sie entscheiden auch in langen Beratungen über die Verteilung der Spenden.

Gesagt, überlegt, Verein gegründet. Das war 1981. Ein Jahr später erfolgte die Eintragung ins Vereinsregister. Alle drei Jahre prüft das Finanzamt die Gemeinnützigkeit regelmäßig. Regelmäßig, das ist auch der Grundsatz von Vereinsmitgliedern und Spendern. Sie geben jeden Monat - also regelmäßig - einen Betrag ihrer Wahl in den Spendentopf. Zurzeit kommen ungefähr 1800 Euro im Monat zusammen.

Weil dieser Betrag regelmäßig bei "AR" - so nennen Spender und Mitglieder den Verein kurz - eingeht, können die Vorstandsmitglieder damit auch für größere Projekte kalkulieren. Haben sie sich beispielsweise nach Gesprächen mit Vertretern von Hilfsorganisationen dazu entschieden, eine Schule für kriegserblindete Kinder zu bauen, kann das fünf oder sieben AR Monatseinkünfte betragen.beim Spendertreffen von AR

Wichtig ist allerdings, dass die AR-Spenden direkt vor Ort ankommen und an den Zweck gebunden verbraucht werden, Und weil manche AR-Mitglieder oder Spender beruflich oder privat rund um den Globus unterwegs sind, besuchen sie öfter die Orte, an denen AR Projekte gefördert hat und unterstützt. Manchmal bringen diese Globetrotter neue Bitten und Ideen für ein weiteres AR-Projekt mit nach Saarn. Darüber wird die Kerngruppe nach intensivem Informationsaustausch dann beraten. Die AR Kerngruppe informiert ebenso regelmäßig mit Rundbriefen oder Telefonaten ihre Spender, wie und für welche Hilfen die AR Gelder verwendet werden. Einmal im Jahr findet außerdem ein Spendertreffen statt - natürlich auch zum Selbstkostenpreis - auf dem nicht nur ein intensiver Informationsaustausch stattfindet, sondern der AR-Vorstand auch Bilanz zieht und Rechenschaft über die geleistete Spendenverteilung ablegt.

Wer noch mitmachen möchte, ist willkommen. Denn jeder Betrag bringt regelmäßig mehr in den AR-Topf. Daraus werden vielleicht wieder Werkzeuge für eine Schreinerei in Zimbabwe finanziert, Gesundheitsschwestern auf den Philippinen ausgebildet, ein abgebranntes Krankenhaus in Äthiopien wieder aufgebaut, eine Landschule in Bolivien unterstützt, Straßenkinder in Kolumbien betreut, eine Nachbarschaftsbücherei in Chile eingerichtet oder auch nur Zollkosten für Kondome und Medikamente im Kongo übernommen.

Die Liste der von AR-Spendern unterstützen Projekte ist lang, hat Ziele in drei Erdteilen. Nahrung, Wohnung, Gesundheit und Bildung sind die hauptsächlich von AR geförderten Projekte. Als sich ein Südafrikaner zum Piloten ausbilden lassen wollte, um Hilfsflüge auf dem schwarzen Kontinent durchführen zu können, lehnte die AR-Kerntruppe natürlich ab. Dafür gab es noch einen Wasserbüffel für den Ernteeinsatz auf den Philippinen, neue Schulmöbel für ein Dorf in Nicaragua und Ausbildungsgeld für den Basisgesundheitsdienst in mehreren Landgemeinden in Kenia.



 

WAZ Mülheim vom 24.12.1996

Verein hilft leise - und regelmäßig

Idee: Spenden statt Präsente


Die Kinder aus Callao hatten keine Mühe gescheut. In stundenlanger Kleinarbeit hatte die Klasse eine bunte Papierblume gebastelt und damit die Postkarte ins ferne Deutschland verziert. Selbst ein peruanisches Sprichwort hatten sie für ihren Gruß übersetzen lassen:

"Laß nicht im Garten Deines Herzens die einfache Blume der Freundschaft und Liebe vertrocknen." Die Empfänger sind Mitglieder der Mülheimer "Aktion regelmäßige Hilfe". "Nie gehört?" Gut möglich. Der Verein wirkt im Verborgenen - aber schon seit 15 Jahren. Damals hallte der Ruf "Ein Volk stirbt" um den Globus. In Mülheim stieß er auf ein Echo. "Uns geht's gut genug. Jetzt helfen wir anderen", sagten sich einige Freunde, als sie vom Schicksal der kambodschanischen Bürgerkriegsopfer hörten. Spontan beschlossen sie damals: "Geschenke gibt's diesmal nicht. Das Geld stecken wir in eine Hilfsaktion." Voller Elan gingen sie an die Arbeit. Sammelten Spenden und zählten bis tief in die Nacht jeden Pfennig.

Es gab viel zu zählen. Über 1000 Mark flossen in die Büchsen. "Dieser Erfolg war für uns die treibende Kraft für eine Fortsetzung", erinnert sich Erhard Wiera, einer der Gründer. Doch vor Hilfe durch Spenden hat das Finanzamt die Steuern gesetzt. Sollten von jeder Mark hundert Pfennige bei den Bedürftigen ankommen, mußte eine gesetzliche Grundlage her. Ein eingetragener Verein!

Zum Glück machte das e.V. aus den Helfern keine Vereinsmeier. Für die "Aktionisten" stehen die Projekte an erster Stelle. Wiera: "Als wir loslegen wollten, hatten wir keine Ahnung, wie man die Arbeit in der Dritten Welt aufzieht." Nach einer Nachhilfestunde bei den Missionsärztlichen Schwestern aus Essen stürzte sich der Verein auf sein zweites Projekt: Die Finanzierung eines Gesundheitsarbeiters und zweier Wasserbüffel auf den Philippinen. Erste Frage: Wo liegen die Philippinen?

Diese und weitere Fragen sind inzwischen beantwortet. Die Mitglieder sind geographische Experten. Der Verein initiierte Projekte in Nicaragua, Brasilien, Uganda, Sri Lanka, Ghana, Zimbabwe oder Chile.

Dabei bedeuten häufig die kleinen Dinge eine große Hilfe. So waren die 3000 DM für Wasserbüffel eine bessere Investition, als ein wesentlich höherer Betrag für einen Traktor gewesen.

Damit die Unterstützung den Verein selbst nicht teuer zu stehen kommt, sind an sie diverse Bedingungen geknüpft. So zielt die Hilfe auf die Befriedigung von Grundbedürfnissen und soll die Eigenständigkeit der Menschen fördern. Ganz wichtig ist für den Verein die Rückmeldung der Empfänger. Die Geldgeber - ein Stamm von 100 Spendern steuert rund 50000 DM pro Jahr bei - sollen jederzeit wissen, warum sie wem, wie und womit unter die Arme greifen. Wiera: "Wir dürfen nie unsere Glaubwürdigkeit verspielen." Deshalb wurde ein Projekt in Nicaragua gestoppt, ein anderes gleich abgelehnt: Eine Flugausbildung finanzieren, damit der Pilot später Hilfspakete über dem afrikanischen Busch abwerfen kann? Das schien den Wohltätern etwas weit hergeholt. Stattdessen fördert der Verein nun die Ausbildung von Erziehern in El Salvador.


Auf ein Wort

Süßer die Kassen nie klingeln. Auch in diesem Jahr reiben sich die Einzelhändler angesichts des Weihnachtsgeschäfts die Hände. Der Kaufrausch der vergangenen Jahre hält nach wie vor an, doch es machen sich erste Anzeichen der Ernüchterung bemerkbar. Das sollte für die Wirtschaftsmacht Deutschland noch lange kein Grund zum Klagen sein. Den hätten vielmehr die Bewohner der Dritten Welt. Von Weihnachten bleibt dort häufig nur noch das Wort.

Umso mehr ehrt es Menschen, die ihren relativen Wohlstand nicht nur zum frohen Fest teilen - wie etwa der Verein "Aktion Regelmäßige Hilfe". Seine Mitglieder spenden nicht anonym für einen guten Zweck. Sie leisten mit wenig Mitteln große Hilfe - regelmäßig über Jahre hinweg. Das verdient Nachahmer.


Tobias Bolsmann






NRZ Mülheim vom 2.11.1996

Still aber stetig

"Regelmäßig hilft"

Überschaubare Projekte in der Dritten Welt zu unterstützen, den dort lebenden Menschen Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, diese Ziele verwirklicht seit 15 Jahren ein Verein, der eher im Stillen arbeitet, als daß er in der breiten Öffentlichkeit für sich wirbt. Der Vereinsname ist Programm: "Aktion Regelmäßig" (AR); ein Engagement, daß eben nicht nur zur spendenfreudigen Weihnachtszeit, sondern auf Dauer angelegt ist.

"Angefangen hat allerdings alles wirklich zur Weihnachtszeit - im Jahre 1979", erinnert sich Vereinsmitglied Harald Dörnhaus. Ein kleiner Freundeskreis - "Wir kannten uns aus der kirchlichen Jugendarbeit" - sammelte Geld für Flüchtlinge in Kambodscha.

Die Aktion hatte soviel Erfolg, daß zwei Jahre später ein Verein gegründet wurde. "Jedes Mitglied überweist seither monatlich auf das AR-Konto einen selbst festgesetzten Betrag. Weitere Freunde und Bekannte wurden für die Idee gewonnen", umschreibt Dörnhaus die Rahmenbedingungen und nennt einen weiteren, ganz wichtigen Aspekt: "Die Gruppe trägt die Verwaltungskosten. Die gesamten Spenden gehen direkt in die jeweiligen Projekte".

Über die Missionsärztlichen Schwestern" in Essen, die in über 30 Ländern arbeiten, knüpfte man erste Kontakte zu Projekten. "Unsere erste Spende erhielt eine philippinische Kooperative für den Kauf eines Wasserbüffels", erinnert sich Dörnhaus. Seither floß Geld in 50 weitere Programme: Das Spektrum reicht von der Übernahme der Transportkosten für Nähmaschinen oder die Unterhaltungskosten eines Jeeps bis zur Errichtung einer Radiostation oder der Einrichtung kleiner Geschäfte und einer Bäckerei. Auch die Errichtung von Wohnhäusern in Bosnien finanzierte "Aktion Regelmäßig".

Briefe der Spendenempfänger und Besuche vor Ort gewährleisten, daß das Geld auch bei den Bedürftigen ankommt. "Das ist uns ganz wichtig. Bei uns weiß man, wohin das Geld fließt", macht Dörnhaus den Unterschied zu den großen nichtstaatlichen Spenden-Organisationen klar.

Die 140 Mitglieder hoffen, daß Ende des Jahres die Gesamtsumme aller Spenden seit Vereinsgründung die 500.000 Mark-Hürde überpringt.





Kontinente

Junge Mülheimer tragen: "Aktion Regelmäßig"

Regelmäßig unterstützt eine Gruppe (mittlerweile sind es rund 60 Teilnehmer) in Mülheim-Saarn Projekte in der 3. Welt. Allerdings geht es nicht nur um Spenden als Balsam für die Wunden. sondern die Gruppe setzt sich intensiv mit der jeweiligen Situation und Problematik des Landes auseinander und versucht, auf verschiedene Weise Solidarität mit den Armen und Unterdrückten zu üben. Ihre Aktionen reichen von der Unterstützung der Medikamentenverschickung in Uganda über Hilfen bei der Beschaffung von Schreibmaterial für ein namibisches Flüchtlingslager in Angola. im letzten Jahr wurde ihre Aktion "Dorf-Gesundheitsarbeiter" für die Landbevölkerung und Wasserbüffel für den Reisanbau in der Region Isabela auf der Insel Luzon in den Philippinen abgeschlossen. Mit einer zusätzlichen Unterschriftenaktion protestierte die Gruppe gegen den Bau einer Kokosplantage in dieser Region und konnte so dazu beitragen, daß ca. 5000 Bauern der Haciendas Sta. lsabela und San Antonio vor dem Verlust ihrer Pachtgrundstücke und einer Umsiedlung bewahrt wurden.

Sr. Eva Varon, eine philippinische Missionsärztliche Schwester traf die "Aktion Regelmäßig" während eines Deutschlandaufenthaltes in Mülheim-Saarn und informierte die Mitglieder und interessierte Zuhörer über die derzeitige Situation auf den Philippinen. Zur Gesundheitssituation sagte sie:

- Obwohl die Mehrheit der Filipinos in den ländlichen Regionen lebt, konzentriert sich die Gesundheitsversorgung auf die Städte
- Krankenhäuser sind überwiegend profit-orientierte Wirtschaftsunternehmen und zu 74% in Privatbesitz
- Es gibt einen Fehlbestand von ca. 25000 Ärzten
- Von den Krankenschwestern befinden sich 57 %, im Ausland, 31 % in Manila, 12 % auf dem Land
- 60% der Bevölkerung sterben ohne medizinische Versorgung
- 79% der Kinder sind unter- bzw. fehlernährt.

Sr. Eva Varon zeigte sehr deutlich, wie dringend notwendig die Gesundheitsarbeit für die ländliche Bevölkerung weitergeführt werden muß, eine Gesundheitsarbeit, die sich an der Situation dieser Menschen und ihren Bedürfnissen orientiert. Das neue Projekt der "Aktion Regelmäßig" auf den Philippinen unterstützt Bewohner eines umgesiedelten Dorfes. Ein Großteil der Bauern besitzt kein eigenes Land und ist darauf angewiesen, Holzkohle aus ausgemustertem Holz herzustellen. Diese Arbeit ist sehr gesundheitsschädigend weil die Arbeiter fast die ganze Zeit Rauch und Ruß der Holzkohle einatmen, was vor alle schwere Erkrankungen der Atmungsorgane hervorruft Außerdem verstärken die ärmlichen Lebens- und Wohnverhältnisse (die Unterkünfte sind meist ohne sanitäre Anlagen) die Krankheitsanfälligkeit.

Sr. Eva Varon sagte zu ihrem Besuch bei der "Aktion Regelmäßig": "Ich bin sehr dankbar, daß ich die Gruppe der "Aktion Regelmäßig" treffen und ihr aus dem Leben auf den Philippinen erzählen konnte. Was mich am meisten beeindruckte war, daß diese Gruppe aus Menschen besteht, die ganz einfach ihrem Tagewerk nachgehen, aber gleichzeitig die Offenheit besitzen, ihre Zeit und Aufmerksamkeit, das, was sie haben zu teilen, um Menschen in der 3. Welt zu helfen.

Es gibt viele geldspendende Organisationen, doch im Unterschied dazu, hat diese Gruppe eine konsolidierende Funktion. Ich spüre ein Band von Solidarität und Einheit zwischen uns und dieser Gruppe. Ich spüre sehr deutlich, daß gerade solche Bande außerordentlich wichtig sind, um Solidarität zu üben, eine Mensch-zu-Mensch-Beziehung, die aus einem festen christlichen Engagement herrührt. Sie bekunden meist eher eine glaubwürdige Solidarität, als wenn politische und wirtschaftliche Interessen dahinterstecken, wi es so oft der Fall ist bei finanziellen Hilfeleistungen von seiten der Länderregierungen oder wirtschaftlicher Unternehmen.

Die "Aktion Regelmäßig" erstreckt sich nicht nur auf finanzielle Unterstützung unserer Projekte und damit auf die Verbesserung der Bedingungen für ein Leben in menschenwürdigen Verhältnissen, sondern durch ihre Unterschriftaktionen und Briefe an den Präsidenten des Landes oder an die Obersten der verschiedenen Provinzen stärkt sie uns und unserer Arbeit den Rücken Für uns ist es sehr ermutigend zu wissen daß Menschen mit uns "eins" werden, im Kampf für mehr Freiheit und Demokratie.




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