Peru

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Seit 1988 unterstützt AR regelmässig diese Projekte in Peru:

Nachbarschaftshilfe am Stadtrand von Lima


Seit 1988 hat Aktion Regelmässig Kontakt zu Schwester Michaela Bank von den Missionsärztlichen Schwestern, die im Stadtrandviertel Callao zusammen mit Schwester Nina Fritsch die Menschen dort in ihrem Alltag begleitet und ihnen bei Notwendigsten hilft.

Vor allen Dingen arbeiten sie mit den Frauen im Viertel zusammen, um die tägliche Nahrungsversorgung zu sichern, Nachbarschaftshilfe zu organisieren und kleine Selbsthilfegruppen aufzubauen. Darüber hinaus bemühen sie sich, den Jugendlichen zu helfen, sich ihrer Problemlage (Arbeitslosigkeit, fehlende Ausbildung) bewusst zu werden und kleine Werkstätten zu Weiterbildung handwerklicher Fähigkeiten einzurichten.

Im Oktober 1988 sandte Aktion Regelmässig erstmalig 4000 DM an Schwester Michaela, um sie bei ihren vielfältigen Aufgaben zu unterstützen. Im Mai 1990 besuchte uns - während ihres Heimaturlaubs - Schwester Birgit Weiler, die seit einigen Monaten auch in Lima arbeitet. Sie berichtete ganz konkret wie schlimm die Armut dort ist und wie toll und vorbildlich sich die Frauen einsetzen.

1991 erzählte uns Schwester Michaela, die inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt war,dass sie und ihre Mitschwestern im Barrio (Viertel) Bocanegra eine Essensküche für 20.000 Personen organisiert haben. Das war nicht leicht, gerade weil nach der Regierungserklärung von Präsident Fujimori im Juli 1990 die Preise in schwindelerregende Höhen schnellten und viele Engpässe in der Versorgung entstanden.


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Eine Bäckerei, die mit Geldern von Aktion Regelmässig aufgebaut wurde, funktioniert mittlerweile. Nachdem man anfangs zur zwei Säcke Mehl verarbeiten wollte, schaffte man sich später eine Rührmaschine an, um die Mengen und Erträge zu erhöhen.

Auch heute noch unterstützt AR dieses Projekt mit jährlich 3.000 Euro



Zu Gast bei AR: Schwester Gisela Reich

Am 11. August 1995 besuchte uns Schwester Gisela Reich von den Missionsärztlichen Schwestern; sie gab uns im Gespräch und über Dias aktuelle Informationen über die Situation In Peru und ihre laufenden Projekte in der Gemeinde Bocanegra/Lima.

Zur politischen Situation: Die Terroranschläge (z. B. durch "Leuchtender Pfad") sind tatsächlich zurückgegangen. Die Menschen sind darüber sehr erleichtert, wählen aus diesem Grund heraus die autoritäre Regierung (Fujimori) weiter. Im Rahmen der "Säuberungsmaßnahmen" werden auch viele Unschuldige verhaftet.
Die Inflationsrate ist spürbar gesunken. Die Öffnung des Marktes, vieles wird jetzt importiert, schadet der peruanischen Industrie. Es gibt viel Straßenhandel, aber keine Produktion. Es wird viel privatisiert, aber ausländische Investitionen fehlen. Es gibt keine neuen Arbeitsplätze.

Die Situation im Landesinneren ist noch wesentlich schlimmer; dort herrschen Gewalt und Verelendung. Die Apathie der Menschen ist durch dauernde Unterdrückung, Angst vor Terror und fehlende Ausbildung sehr hoch. Die medizinische Versorgung ist schlecht und sehr teuer.
Lima ist eine sehr dreckige Stadt. Abgase verschmutzen die Luft immer stärker. Die Autozahlen steigen. Korruption ist in allen Lebensbereichen an der Tagesordnung - bedingt durch die niedrigen Löhne.

Zur Situation in der Gemeinde und zur Arbeit der Schwestern: im Barrio leben 50.000 Menschen. Schwester Gisela arbeitet dort mit fünf weiten Schwestern, davon sind zwei Peruanerinnen. Es gibt inzwischen in diesem Gebiet inzwischen 14 Gemeinschaftsküchen, in denen Frauen zusammen die einzige warme Mahlzeit des Tages kochen. Ca. ein Drittel der Bevölkerung wird so versorgt. Energiespender ist Kerosin, das ist gefährlich und teuer, aber ein anderer Brennstoff ist zur Zeit nicht möglich. Das Essen besteht aus der traditionellen Suppe, die leider nicht sehr nährstoffhaltig ist, aber für die Peruaner unverzichtbar. Weiterhin gibt es Reis, Mais, Bohnen und gekochten Fisch. Die Speisen sind sehr schmackhaft zubereitet.

Jede Gemeinschaftsküche ist in ihrer Organisation eigenständig, hat ein eigenes Leitungsteam. Bei den wöchentlichen Treffen beraten und informieren die Schwestern die Frauen über gemeinsame Belange.
Jede Gemeinschaftsküche wählt eine Sozialassistentin, diese werden von Schwester Gisela gemeinsam mit einer staatlichen Sozialarbeiterin in Seminaren geschult. Sie erhalten Anleitung zur Betreuung der Familien, zur Aufdeckung von Problemen und zur Vermittlung von Hilfe. Sehr wichtig dabei ist die Weiterentwicklung und Stabilisierung des Selbstwertgefühls. Die Frauen erhalten Selbstbewußtsein und Vertrauen in ihre aktiven Fähigkeiten. Die Schwestern helfen bei Stress- und Konfliktbewältigung. Die Bäckerei in der Gemeinde läuft gut. Die Menschen bringen das Mehl, das sie von der Caritas erhalten und bekommen dafür Brötchen in einer besseren Qualität als von der staatlichen Bäckerei. Die Lohn- und laufenden Kosten decken sich gut. Reparaturen an den Maschinen und Öfen sind allerdings schwierig. Drei Bäcker arbeiten zur Zeit in der Bäckerei.

Schwester Gisela und ihre Mitschwestern betreuen außerdem Handarbeitskreise, Bibelunterricht, Katechetenausbildung sowie Kinder- und Jugendarbeit. Eins der angestrebten Projekte für die nächste Zeit ist die Einrichtung von Kinderkrippen in der Gemeinde. Mütter sollen hier auch über Ernährungs- und Gesundheitsfragen aufgeklärt werden.

Aktion Regelmäßig wurde von Schwester Gisela bestätigt, daß unsere Gelder einen guten Anteil an ihrem Gesamtspendenaufkommen ausmachen und die Regelmäßigkeit sehr hilfreich für ihre Arbeit ist.


Besuch aus Callao

 Im August 2001 konnte Schwester Gisela Reich von den Missionsärztlichen Schwestern, erneut zu einer AR-Sitzung kommen. Sie lebt seit Jahren mit einem internationalen bunt gewürfelten Team von Schwestern (darunter auch Birgit Weiler, die wir von früheren Besuchen her kennen) in Boca Negra, dem Armutsviertel von Callao, Nachbarstadt von Lima.

Hier hat sie die Organisation der Armenküchen, über die AR schon vor 14 Jahren berichtete, unterstützt. Damals war unsere Ansprechpartnerin Michaela Bank, die sich am Anfang ihres Einsatzes für das Projekt einer Gemeindebäckerei einsetzte.

Sr. Gisela ist mittlerweile schon länger an ihrem Einsatzort als sie es am Anfang von sich aus geplant hat. Mit einer gewissen Zufriedenheit stellte sie bei unserem Gespräch fest, dass die Organisatorinnen der Armenküchen selbstständig geworden sind und eigenständig verantwortlich arbeiten. Als gelernte Sozialarbeiterin wurde Sr. Gisela in all den Jahren um praktische Organisationshilfe gefragt. Stark setzte sie sich bei den Jugend- und Frauengruppen ein.

Jetzt, da sie sehr viele Menschen kennen gelernt hat und von den meisten um persönlichen Rat gefragt wird, will sie sich mehr in dieser Richtung engagieren und Reflektionen über das eigene Leben sowie Lebenshilfen in Seminaren und Kursen anbieten.

Die Armut ist geblieben. Wir hoffen, dass die in diesem Jahr neue gewählte Regierung unter Präsident Toledo daran etwas ändert. In Peru gibt es viele Menschen, denen das Schicksal einen kräftigen Schlag versetzt hat, so dass sie keine eigene Lösung wissen, berichtet die Schwester.

Die Tatsache, dass sie nach all den Jahren immer mehr anerkannt wird und eine "neue" Lücke füllen kann, will Sr. Gisela nutzen und ihr Einsatzfeld teilweise ändern. Wir wünschen ihr von dieser Stelle aus viel Glück und weiterhin Kraft dabei.



Dieses Projekt wurde 2007 einmalig unterstützt:

Gesundheitsversorgung der Aguaruna-Indianer

Die Aguaruna sind ein Indianerstamm von ca. 45.000 Mitgliedern, der seit Jahrhunderten im nördlichen Amazonasgebiet Perus am Oberlauf des Flusses Marañon lebt. Sie ist die zweitgrößte Sprachminderheitengruppe in Peru. Im Norden reicht ihr Gebiet bis an die Grenze zu Ecuador und im Osten grenzt ihr Gebiet an die Region Loreto. Im Laufe der Zeit haben sich in der Region, die zum feuchten tropischen Regenwald zählt auch viele Familien aus anderen Teilen Perus angesiedelt. Hier sind die Flüsse teilweise die einzigen Verkehrwege. Die Aguaruna sind über lange Zeit in der Gesellschaft Perus als Randgruppe angesehen worden. Sie haben sich darum bereits vor Jahren in Föderationen organisiert, die gemeinsam ihre Interessen gegenüber dem peruanischen Staat vertreten.

Die gesundheitliche Versorgung der Aguaruna ist äußerst Besorgnis erregend. In dem gesamten Gebiet des "Alto Marañon" gibt es nur vier kleinere Gesundheitsstationen. Diese befinden sich in den "Hauptstädten" der Distrikte. Für die meisten Aguaruna ist der Weg dorthin recht lang, mühselig und teuer. Die Gesundheitszentren sind völlig unzureichend ausgerüstet, was medizinische Geräte und Medikamente betrifft. Häufig ist das medizinische Personal nicht gut ausgebildet, verfügt über wenig professionelle Erfahrung und hat nur geringe Kenntnisse der Kultur der Aguaruna. Dies alles führt dazu, dass die Aguaruna nur sehr wenig Vertrauen in die Gesundheitszentren haben. Zudem fehlt es ihnen oft an dem nötigen Geld für eine Behandlung.

Häufig auftretende Krankheiten im "Alto Marañon" sind: Grippe mit zum Teil sehr hohem Fieber, Bronchitis, Lungenentzündung, Magen- und Darminfekte, häufig durch Parasiten verursacht, Cholera, Malaria sowie eine Vielzahl von Hautkrankheiten. Hinzu kommen Hautverbrennungen und Bisse von Schlangen und Skorpionen, die lebensgefährlich sein können.

In ihrer Kultur besitzen die Aguaruna große Kenntnisse von Pflanzen im Regenwald, die als Heilpflanzen für die genannten Krankheiten dienen können. Vor allem die alten Männer und Frauen besitzen eine reiche Kenntnis über deren Wirkungen im menschlichen Körper. Es ist sehr wichtig, dass dieses Wissen nicht verloren geht, sondern an die jüngeren Generationen weitergegeben wird. Es würde eine deutliche Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung bedeuten, wenn die Gesundheitshelfer, die in den Dorfgemeinschaften arbeiten, ein umfassenderes Wissen in Pflanzenheilkunde hätten.

Der Projektträger "Tunaants":

Tunaants wurde vor Jahren vom Apostolischen Vikariat Jaén gegründet. Aufgrund der wachsenden Umweltschäden in jenem Gebiet hat Tunaants bereits vor längerer Zeit damit begonnen, sich für die Bewahrung der Schöpfung verstärkt zu engagieren. Zu diesem Zweck werden in Tunaants vor allem solche Pflanzen- und Tierarten gezüchtet, die eine wichtige Funktion für das ökologische Gleichgewicht im Regenwald und für die Ernährung der Bevölkerung haben, jedoch vom Aussterben bedroht sind. Tunaants arbeitet sowohl mit den Organisationen der Aguaruna als auch mit den entsprechenden staatlichen Stellen zusammen, damit die Pflanzen und Tiere nach Aufzucht an die Orte gebracht werden können, wo es die entsprechende Spezies kaum noch gibt. In diesem Bereich wird die Arbeit von der nichtregierungseigenen Organisation SAIPE, die von den Jesuiten gegründet wurde, professionell unterstützt.

Ziel des Projekts:

Die gesundheitliche Versorgung der Aguaruna, besonders der Frauen und Kinder, soll durch die Verbreitung und Verwendung von Heilpflanzen verbessert werden. Dazu ist vorgesehen:

Die Erstellung eines Handbuchs in Awajún, das die Kenntnisse über die vielen Pflanzen im Regenwald, die als Heilpflanzen dienen können, über ihre Anwendung und jeweilige Dosierung in systematischer Form zusammenstellt. Es soll in einfacher Form verfasst werden, so dass es der Ausbildung der Gesundheitshelfer und anderer interessierter Personen dient. Es ist geplant, 1000 Exemplare zu drucken. In dem Handbuch sollen die Heilpflanzen beschrieben werden, die in der Region verbreitet sind und die gerne genutzt werden. Die Erstellung des Handbuchs wird 10 Monate dauern. Zwei Personen werden für den gesamten Arbeitsprozess - Zusammentragen der Information, Redaktion des Textes und Vorbereitung der Druckfassung des Buches - verantwortlich sein.

Durchführung von Kursen mit den "Ältesten" in den Dorfgemeinschaften der Aguaruna (Männer und Frauen), die als Meister der Heilpflanzenkunde gelten, um gemeinsam mit ihnen die Inhalte des Handbuchs vor seinem Druck kritisch durchzusehen und nötige Änderungen oder Erweiterungen vorzunehmen.

weitere Kurse um die Gesundheitshelfer in der Anwendung von Heilpflanzen mithilfe des neuen Handbuchs besser auszubilden und sie in ihre Aufgabe einzuführen (Motivierung der Dorfbewohner, die Heilpflanzen zu besorgen und zuzubereiten sowie einen Garten für Heilpflanzen im Dorf anzulegen).

Veranschlagte Kosten: (in US Dollar)

1. Handbuch
Zusammentragen der Information:
1 Person x 8 Monate $ 2.400
Erstellung der Druckfassung:1 Person x 5 Monate $ 1.250
Druck 1000 Exemplare $ 1.500

2. Kurse mit den "Ältesten"4 x 15 Personen x 5 Tage $ 3.150
(Ernährung, Transport, Materialien)

3. Kurse in den Dorfgemeinschaften(Reisekosten, Ernährung, Materialien) 10 Kurse x 3 Tage $ 1.450
Was die Ernährung betrifft, leisten die Dorfbewohner einen Eigenbeitrag, der jedoch nicht hoch genug ist, um die Unkosten zu decken.

Veranschlagte Gesamtkosten: $ 9.750

Aktion Regelmässig hat mit 5.500 US-$ (4037 €) die Anschubfinanzierung geleistet. Der Restbetrag wurde vor Ort erbracht.

Seit 1988 gab Aktion Regelmässig 88.813,56 € für folgende Projekte nach Peru:

 1988-2016

84.776,27 € 

 Arbeit im sozialen Brennpunkt / Nachbarschaftshilfe
 2007

4.037,29 € 

 Projekt "Heilpflanzen-Buch"


 Aktuelle AR-Infos aus Peru: Dezember 2008



Aktion Regelmaessige Hilfe e.V.,
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